{"id":1022,"date":"2023-11-10T08:34:41","date_gmt":"2023-11-10T07:34:41","guid":{"rendered":"http:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/?p=1022"},"modified":"2026-05-23T22:52:47","modified_gmt":"2026-05-23T20:52:47","slug":"beteiligung-durch-einkleidung-oder-vestimentaere-gottesdienstpraktiken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/2023\/11\/10\/beteiligung-durch-einkleidung-oder-vestimentaere-gottesdienstpraktiken\/","title":{"rendered":"Vestiment\u00e4re Gottesdienstpraktiken"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 24pt;\"><strong>Beteiligung durch Einkleidung<\/strong><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>Kleider machen Leute. Und liturgische Kleider machen Gemeindeglieder zu Beteiligten. Oder genauer: zu Beauftragten. Dies wurde mir beim Besuch eines Abendmahlsgottesdienstes in der St. Giles\u2019 Cathedral in Edinburgh deutlich. Was ich erlebt habe und was mir dabei aufgegangen ist, davon handelt dieser Blog.<\/strong><\/span><\/p>\r\n<p style=\"font-size: 17px;\"><mark class=\"has-inline-color has-black-color\" style=\"background-color: rgba(0, 0, 0, 0);\"><span style=\"color: #000000;\">David Pl\u00fcss<\/span><\/mark><\/p>\r\n<!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:more -->\r\n<p><!--more--><\/p>\r\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">Kirchgang<\/span><\/strong><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die St. Giles\u2019 Cathedral findet sich im touristischen Zentrum Edinburghs. Von meiner Unterkunft in der N\u00e4he der Dean Gardens ben\u00f6tige ich eine halbe Stunde f\u00fcr den Kirchgang. Eine kurzweilige und teils spektakul\u00e4re Strecke am Fuss des Castle Hill entlang. Ich f\u00fcrchte, nicht angemessen gekleidet zu sein, da ich im Anschluss an den Gottesdienst zu den Highland Games nach Fort Matilda, einem traditionellen Volksfest an der Westk\u00fcste mit Dudelsackmusik, Tanz und Steinstossen fahre und daf\u00fcr lockere Kleidung mit Turnschuhen trage.<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Stadt ist noch leer. Nur in den Princes Street Gardens sind erste Tourist:innengruppen unterwegs. Auch die Royal Mile ist ungew\u00f6hnlich ruhig. Einige Gestalten streben der Kathedrale zu.<\/span><\/p>\r\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">T\u00fcrsteher<\/span><\/strong><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Kirchg\u00e4nger:innen werden von zwei festlich gekleideten M\u00e4nnern begr\u00fcsst und mit der Liturgie der bevorstehenden Feier in Form einer kopierten Brosch\u00fcre versehen. Der eine tr\u00e4gt traditionelle Schottenkleidung mit plissiertem Rock, alles in hellem gr\u00fcn. Er wird sp\u00e4ter mit anderen die Kollekte einsammeln und bei der Austeilung des Abendmahls helfen. Im Liturgieblatt wird er als Steward bezeichnet. Der zweite, der mir mehr auf die Schuhe als ins Gesicht schaut, tr\u00e4gt erkennbar liturgische Kleidung: einen schwarzen Anzug mit weissem Hemd und schwarzer Krawatte, dar\u00fcber einen liturgischen Mantel in schwarz und rot. Ich vermutete erst, es w\u00e4re der f\u00fcr die Feier verantwortliche Pfarrer. Sigrist und Pfarrer zur Begr\u00fcssung an der Kirchent\u00fcr, das kenne ich aus reformierten Schweizer Gemeinden. Aber ich lag falsch. Er spielte in der Liturgie keine Vorsteherrolle, wohl aber die des verantwortlichen Sigristen, des Zeremonienmeisters in allen liturgie-praktischen Belangen, vor allem beim Abendmahl. Es sind zwei Frauen, die die liturgische Leitung innehaben, die eine als Liturgin und Predigerin und die andere als Lektorin.<\/span><\/p>\r\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">Raumatmosph\u00e4ren und Klangwelten<\/span><\/strong><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Kirchenraum strahlt eine einladende Atmosph\u00e4re aus. Er ist altehrw\u00fcrdig und sorgf\u00e4ltig renoviert. Ich bin erst \u00fcberrascht, wie wenig Menschen sich in der wichtigsten Kirche der <em>Church of Scotland<\/em> am Sonntagmorgen einfinden. Aber auch hier lag ich falsch. Auf der anderen Seite des massiven, altarf\u00f6rmigen Abendmahlstisches und in den Seitenschiffen haben sich weitere Gottesdienstbesuchende platziert. Es erklingt Orgelmusik, erst leise und verhalten. Die Musik unterst\u00fctzt das Ankommen, die Besinnung. Nach l\u00e4ngerer Stille ert\u00f6nt Chorgesang, a cappella, kr\u00e4ftig und festlich. Ein Gesang auf der Schwelle, hinten in der Kirche, ich kann die Singenden von meinem Platz aus nicht sehen. Nach kurzer Pause setzt die Orgel kr\u00e4ftig ein, die Gemeinde erhebt sich und singt gemeinsam mit dem Chor das Eingangslied, w\u00e4hrend der Chor einzieht, gefolgt von den Liturginnen und Liturgen.<\/span><\/p>\r\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">Liturgische Kleidungspraktiken<\/span><\/strong><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #000000;\">Was mich beeindruckt und leicht verwirrt, ist die Vielzahl liturgischer Akteur:innen, die einziehen, in unterschiedlichen liturgischen Gew\u00e4ndern: Ich sehe blaue Collarhemden mit weissen Kr\u00e4gen, schwarze Talare mit Beffchen, Umh\u00e4nge in schwarz und rot, Stolen mit der aktuellen Farbe des Kirchenjahres. Selbst die Mitglieder des Chores tragen kn\u00f6chellange violette Kleider. Der Chor umfasst \u00fcber zwanzig Mitglieder. Aber auch die liturgischen Funktionstr\u00e4ger sind zahlreich. Sie begr\u00fcssen an der Kirchent\u00fcr und h\u00e4ndigen die Liturgie aus, sie er\u00f6ffnen, lesen und beten, sie tragen Brot und Wein herein und stellen sie feierlich auf den Abendmahlstisch, sie sammeln die Kollekte ein und bringen sie dankend Gott dar, sie setzen das Abendmahl ein und teilen es aus, sie singen und musizieren. Fast alle, die aktiv mitwirken, tragen liturgische Kleidung. Dadurch wird f\u00fcr mich als mit der hiesigen Liturgie g\u00e4nzlich Unvertrautem rasch klar, wer den Gottesdienst aktiv mitgestaltet und daf\u00fcr Verantwortung tr\u00e4gt. Auch wenn mich die Vielfalt der Gew\u00e4nder verwirrt und ich deren Codes noch nicht zu lesen vermag, strahlen die liturgischen Kleider eine W\u00fcrde und einen Glanz aus, der sogar oder gerade einen in helvetisch-reformierter Kargheit und Formlosigkeit Sozialisierten wie mich zu beeindrucken, ja, zu begeistern vermag.<\/span><\/p>\r\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\">Liturgisches Ensemble<\/span><\/strong><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die liturgische Einkleidung, die ich in der St. Giles\u2019 Cathedral beobachtet und erlebt habe, bewirkt ganz Unterschiedliches. Sie hebt den Gottesdienst ab von der Formlosigkeit, Bl\u00e4sse und Beliebigkeit des Alltags. Gottesdienst kommt als formsch\u00f6ne und farbenfrohe Feier zur Auff\u00fchrung. Vor allem aber: Dadurch, dass nicht nur \u2013 wenn \u00fcberhaupt! \u2013 die Pfarrerin ein liturgisches Kleid tr\u00e4gt wie bei uns, sondern fast ausnahmslos alle aktiv Mitwirkenden, ist sie keine Solistin, sondern <em>Prima inter pares<\/em> und als solche Teil des liturgischen Ensembles, in dem alle ihre vertraute und eingespielte Rolle spielen. Kleidung, so wird mir deutlich, bedeutet mehr als aktive Beteiligung. Sie bedeutet Auftrag, Dienst in je besonderer Weise. Die besondere liturgische Kleidung tr\u00e4gt bei zur starken Performanz eines selbstbewussten liturgischen Ensembles. Wer liturgische Kleidung tr\u00e4gt, geh\u00f6rt dazu und tr\u00e4gt bei. \u00a0<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #000000;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1026 alignleft\" src=\"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Foto-David-Pluess_ueberarbeitet.png\" alt=\"\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/span><\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><span style=\"color: #000000;\">Prof. Dr. David Pl\u00fcss, lehrt Homiletik, Liturgik und Kirchentheorie an der Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Bern und Co-Leiter des Kompetenzzentrums Liturgik.<\/span><\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span lang=\"en-US\">Foto: Chor der St. Giles Cathedral von Edinburgh<br aria-hidden=\"true\" \/><\/span><span lang=\"en-US\">(URL:<\/span><span lang=\"en-US\">\u00a0<\/span><a style=\"color: #000000;\" title=\"Urspr\u00fcngliche URL: https:\/\/www.burnsandbeyond.com\/events\/the-choir-of-st-giles-cathedral\/. Klicken oder tippen Sie, wenn Sie diesem Link Vertrauen.\" href=\"https:\/\/eur03.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Fwww.burnsandbeyond.com%2Fevents%2Fthe-choir-of-st-giles-cathedral%2F&amp;data=05%7C01%7Csydney.gautschi%40unibe.ch%7C4572c46c366742933bcb08dbe1c6dc29%7Cd400387a212f43eaac7f77aa12d7977e%7C1%7C0%7C638352016428935577%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C3000%7C%7C%7C&amp;sdata=SoRpLbI8Q09VKpjYPg8uVHP50q4EZjgBs5a96GRdY6M%3D&amp;reserved=0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-auth=\"Verified\" data-linkindex=\"0\"><span lang=\"en-US\">https:\/\/www.burnsandbeyond.com\/events\/the-choir-of-st-giles-cathedral\/<\/span><\/a><span lang=\"en-US\">)<\/span><\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beteiligung durch Einkleidung Kleider machen Leute. Und liturgische Kleider machen Gemeindeglieder zu Beteiligten. Oder genauer: zu Beauftragten. Dies wurde mir beim Besuch eines Abendmahlsgottesdienstes in der St. Giles\u2019 Cathedral in Edinburgh deutlich. Was ich erlebt habe und was mir dabei aufgegangen ist, davon handelt dieser Blog. David Pl\u00fcss<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1067,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"ppma_author":[285],"class_list":["post-1022","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"acf":[],"authors":[{"term_id":285,"user_id":2,"is_guest":0,"slug":"pluess","display_name":"David Pl\u00fcss","avatar_url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/6f245bcf667d85926b69915b5a2ea9aa8f331120c3cc2e847f2dc004fbcd7fee?s=96&d=blank&r=g","author_category":"","first_name":"David","last_name":"Pl\u00fcss","user_url":"","job_title":"","description":""}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1022","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1022"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1022\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1501,"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1022\/revisions\/1501"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1067"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1022"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1022"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1022"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/ppma_author?post=1022"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}