{"id":14,"date":"2022-01-26T09:00:00","date_gmt":"2022-01-26T08:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/?p=14"},"modified":"2024-11-01T10:20:13","modified_gmt":"2024-11-01T09:20:13","slug":"test","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/2022\/01\/26\/test\/","title":{"rendered":"Von der Nacktheit der Online-Predigt"},"content":{"rendered":"\r\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns: 37% auto;\">\u00a0<\/div>\r\n<p><span style=\"font-size: 24pt;\"><strong>Predigen online &#8211; Ein Schreibgespr\u00e4ch, Nr. 1<\/strong><\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color\" style=\"font-size: 17px;\"><strong>Wenn die Predigt online geht, ver\u00e4ndert sie sich unweigerlich. Manche \u2013 nicht ganz neue \u2013 Problemlagen versch\u00e4rfen sich dabei. Umso dringlicher wird die Frage, was Predigt auszeichnet und wo ihre Grenzen sind.<\/strong><\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">David Pl\u00fcss<\/p>\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color\"><!--more--><\/p>\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color\" style=\"font-size: 17px;\"><mark class=\"has-inline-color has-black-color\" style=\"background-color: rgba(0, 0, 0, 0);\">Wenn die Predigt online geht, verliert sie ihre Erkennbarkeit. Ihre Konturen werden undeutlich, l\u00f6sen sich auf. Die Predigt pluralisiert sich und wird \u00fcberlagert von anderen Gattungen religi\u00f6ser Rede und Kommunikation. Die Frage wird dringlicher: Wann ist Predigt? Was zeichnet die Predigt aus? Wo sind die Grenzen zu ziehen, um das Proprium der Predigt nicht preiszugeben? Oder gilt es umgekehrt, dieses Schlingern, diese Verundeutlichung und Vervielf\u00e4ltigung gerade zuzulassen oder gar voranzutreiben, damit die Predigt neue Kraft und Dynamik erh\u00e4lt, um in unserer Gegenwart als verst\u00e4ndlich und relevant geh\u00f6rt und erfahren zu werden?<\/mark><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><mark class=\"has-inline-color has-black-color\" style=\"background-color: rgba(0, 0, 0, 0);\">In der Berner Kirche gehen die Kirchg\u00e4nger:innen \u00abz Predig\u00bb. Die Predigt steht f\u00fcr den Gottesdienst insgesamt. Sie steht im Zentrum desselben. Von ihr wird viel erwartet, was die Fallh\u00f6he steigert und zu Entt\u00e4uschungen f\u00fchrt, aber auch zu inspirierenden und bewegenden H\u00f6rerfahrungen. Zugleich ist allen Gottesdienstbesuchenden klar: Hier wird nicht nur gepredigt. Hier wird auch musiziert, begr\u00fcsst, gesungen, gebetet, informiert und gesegnet. Aber eben auch gepredigt. Die Predigt ist zentral, allerdings dramaturgisch und spirituell gerahmt von weiteren liturgischen Handlungen. Eine nackte Predigt am Sonntagmorgen in einem Kirchenraum vor versammelter Gemeinde w\u00e4re undenkbar. Sie w\u00fcrde nicht als Gottesdienst \u2013 oder eben: als \u00abPredig\u00bb \u2013 durchgehen.<\/mark><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><mark class=\"has-inline-color has-black-color\" style=\"background-color: rgba(0, 0, 0, 0);\">Wechselt das Setting oder das Medium der Predigt, kommt die Evidenz der liturgischen Rahmung ins Wanken. So ist die Isolierung der Predigt kein neues Ph\u00e4nomen. Schon lange werden Predigten aufgeschrieben, um gelesen, im stillen K\u00e4mmerlein meditiert oder in verschiedenen Kontexten verwendet zu werden. Bereits im Neuen Testament finden sich viele Predigten, die Jesus, Paulus oder Petrus zugeschrieben werden. Von den Kirchenv\u00e4tern \u00fcber die Reformatoren bis in die Gegenwart stellen schriftliche Predigten eine wichtige literarische Gattung dar.<\/mark><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><mark class=\"has-inline-color has-black-color\" style=\"background-color: rgba(0, 0, 0, 0);\">Auch die l\u00e4ngst etablierte Radiopredigt stellt eine Isolierung der Predigt dar. Ihr fehlt der gottesdienstliche Rahmen und mit diesem die Gebete und Ges\u00e4nge, die Stille, die F\u00fcrbitten und der Segen. Und es fehlt die Gemeinde. Indes, so liesse sich einwenden, sind nicht wir die Gemeinde, die wir uns die Predigt anh\u00f6ren? Ja und nein: Ja, denn die Gemeinde bilden all jene, die auf Gottes Wort h\u00f6ren und sich vom Evangelium bewegen lassen. Nein, denn die vielen, die irgendwo in ihren K\u00fcchen sitzen und ihr Fr\u00fchst\u00fccksei aufschlagen oder im Schlafzimmer W\u00e4sche b\u00fcgeln oder noch etwas d\u00e4mmrig im Bett liegen, bilden keine Gemeinde, die den Gottesdienst tr\u00e4gt und die Predigerin mit dem Dienst am Gotteswort beauftragt (im Sinne des <em>verbi divini ministerium<\/em>).<\/mark><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><mark class=\"has-inline-color has-black-color\" style=\"background-color: rgba(0, 0, 0, 0);\">Diese Problemlage versch\u00e4rft sich, wenn Predigten als Podcast aufgezeichnet \u2013 als Audio- oder Video-Datei \u2013\u00a0und online gestellt werden. W\u00e4hrend die Radiopredigt zwar <em>liturgie-<\/em> und <em>ortlos<\/em> ist, aber zur Gottesdienstzeit am Sonntagmorgen gesendet wird, ist die Online-Predigt zus\u00e4tzlich <em>zeitlos<\/em>. Sie stellt ein abstraktes, nacktes Gebilde dar, losgel\u00f6st von Zeit und Raum und parochialen Kontexten.<\/mark><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">\u2013<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-center\" style=\"grid-template-columns: 15% auto;\">\r\n<figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" class=\"wp-image-179 size-full\" src=\"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/image003-2-768x1024.png\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/image003-2-768x1024.png 768w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/image003-2-225x300.png 225w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/image003-2-202x270.png 202w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/image003-2.png 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\r\n<div class=\"wp-block-media-text__content\">\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-small-font-size wp-block-paragraph\">Prof. Dr. David Pl\u00fcss, lehrt Homiletik, Liturgik und Kirchentheorie an der Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Bern.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-small-font-size wp-block-paragraph\">Grafik: Valentin Pl\u00fcss<\/p>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Predigen online &#8211; Ein Schreibgespr\u00e4ch, Nr. 1 Wenn die Predigt online geht, ver\u00e4ndert sie sich unweigerlich. 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