{"id":1895,"date":"2026-07-16T14:44:21","date_gmt":"2026-07-16T12:44:21","guid":{"rendered":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/?p=1895"},"modified":"2026-07-17T11:29:13","modified_gmt":"2026-07-17T09:29:13","slug":"bibelperformanzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/2026\/07\/16\/bibelperformanzen\/","title":{"rendered":"Bibelperformanzen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie wird \u00abBibel\u00bb heute in den unterschiedlichen Konfessionen gebraucht, inszeniert und liturgisch performt? Im Juni diskutierten in Bern an einer Fachtagung des SNF-DFG-Forschungsprojekts \u00abBibelperformanzen\u00bb Praktische Theolog:innen, Linguist:innen, Religionswissenschaftler:innen und Religionssoziolog:innen Forschungsergebnisse aus den Bereichen Gottesdienst, religi\u00f6se Bildung und christliche Hauskreise.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Miriam L\u00f6hr<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Anfang war das Wort. Aber wie kam es ins Buch? Was kennzeichnet in spezifischer Weise Bibel-B\u00fccher? Wo und wie begegnen Bibeltexte sonst noch \u2013 beispielsweise am Berg in Form einer Spruchtafel? Und warum l\u00e4sst sich oftmals, auch ohne Altar oder Abendmahlstisch und ohne ein Wort des gedruckten Textes gelesen zu haben, ein Bibel-Buch auf den ersten Blick erkennen?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1906 aligncenter\" src=\"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Wand-Bibel-300x188.jpeg\" alt=\"\" width=\"921\" height=\"577\" srcset=\"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Wand-Bibel-300x188.jpeg 300w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Wand-Bibel-1024x640.jpeg 1024w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Wand-Bibel-768x480.jpeg 768w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Wand-Bibel-1536x960.jpeg 1536w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Wand-Bibel-2048x1281.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 921px) 100vw, 921px\" \/><\/p>\n<p><strong>Forschungsprojekt Bibelperformanzen<\/strong><\/p>\n<p>Das Forschungsprojekt<sup>1<\/sup> untersucht Bibelnutzungen im L\u00e4ndervergleich Schweiz\/Deutschland und in konfessioneller Bandbreite: reformiert und lutherisch, christ- und r\u00f6misch-katholisch und freikirchlich. In Hauskreisen nutzen die Teilnehmenden meist ihre eigene Bibel, die sie zu den Treffen mitbringen. H\u00e4ufig werden dabei unterschiedliche \u00dcbersetzungen nebeneinander genutzt und sogar aktiv hermeneutisch eingesetzt: ein schwer verst\u00e4ndlicher Vers etwa wird erg\u00e4nzend in einer anderen \u00dcbersetzung verlautbart. Konfirmand:innen hingegen nutzen h\u00e4ufig Bibeln \u00abim Klassensatz\u00bb, also dieselbe Ausgabe der von der Kirchgemeinde zur Verf\u00fcgung gestellten BasisBibel-, Gute Nachricht- oder Luther-\u00dcbersetzung.<\/p>\n<p>Noch h\u00e4ufiger werden Bibeltexte jedoch in Form einer App auf dem eigenen Handy aufgesucht. In beiden Settings \u2013 Hauskreis und Unterricht \u2013 werden Bibelb\u00fccher oftmals personalisiert und gestaltet, indem beispielsweise Notizen eingef\u00fcgt, farbige Markierungen am Text vorgenommen oder Post Its zur Markierung angebracht werden. Derlei Praktiken der Individualisierung und pers\u00f6nlichen Aneignung lassen sich bei Bibelb\u00fcchern, die im Gottesdienst gebraucht werden, nicht beobachten. Hier finden sich vor allem zwei Gebrauchsformen. Augenf\u00e4llig ist zun\u00e4chst die Symbol- oder \u00abSchaubibel\u00bb:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1899 aligncenter\" src=\"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bibel-Abendmahlstisch-300x179.jpg\" alt=\"\" width=\"937\" height=\"559\" srcset=\"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bibel-Abendmahlstisch-300x179.jpg 300w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bibel-Abendmahlstisch-1024x612.jpg 1024w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bibel-Abendmahlstisch-768x459.jpg 768w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bibel-Abendmahlstisch.jpg 1338w\" sizes=\"auto, (max-width: 937px) 100vw, 937px\" \/><\/p>\n<p><strong>B\u00fccher im (Kirchen)Raum<\/strong><br \/>\nEine solche Bibel ist zumeist gross, schwer, alt und h\u00e4ufig in Frakturschrift gesetzt. Allein aufgrund des unhandlichen Gewichts, der ungewohnten Schrift und des wenig lesefreundlichen Papiers wird aus diesen Bibeln nicht im Gottesdienst gelesen. In aller Regel werden sie w\u00e4hrend der Liturgie auch nicht bewegt. Vielmehr liegen sie \u2013 mittig, manchmal auch bei der jeweils aktuellen Perikope ge\u00f6ffnet \u2013 vor und w\u00e4hrend des Gottesdienstes auf dem Altar oder Abendmahlstisch und markieren den Raum als Gottesdienstraum. In evangelischen Gottesdiensten unterstreicht eine solche Bibel im Raum zudem ihre Bedeutung f\u00fcr die jeweilige Konfession, w\u00e4hrend in r\u00f6misch-katholischen Messfeiern das Evangeliar in einer Prozession hereingetragen oder zur Lesung zum Ambo gebracht wird.<sup>2<\/sup><\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Evangeliar hier sowohl als sakraler Gegenstand oder Heilige Schrift inszeniert als auch aus ihm gelesen wird, wird in protestantischen Gottesdiensten anders verfahren. Hier wird aus einem anderen Buch als der auf dem Abendmahlstisch oder dem Altar liegenden Bibel gelesen. Daf\u00fcr kann ein Lektionar genutzt werden oder eine bewusst gew\u00e4hlte Bibel\u00fcbersetzung: h\u00e4ufig diejenige nach Martin Luther in der revidierten Fassung von 2017 in den protestantischen Kirchgemeinden in Deutschland, die Z\u00fcrcher \u00dcbersetzung vorrangig in den Schweizer reformierten Gottesdiensten. Zuweilen kommt die Bibel in Gerechter Sprache zum Einsatz, oder, in \u00f6kumenisch ausgerichteten Zusammenk\u00fcnften, die katholisch gebr\u00e4uchliche Einheits\u00fcbersetzung. In Freikirchen dominiert, wie bereits bei den Hauskreisen beobachtet, ein buntes Nebeneinander von Lutherbibel und niederschwellig ausgerichteten \u00dcbersetzungen wie der Guten Nachricht. Die Auswahl erfolgt individuell durch den Pastor, die in der eigenen Bibel mitlesenden Gemeindemitglieder, oder pragmatisch. So folgte in einem untersuchten Beispiel die Tageslosung der Luther\u00fcbersetzung, ohne dass diese an die sonst im Gottesdienst vorrangig genutzte Gute Nachricht-\u00dcbersetzung angepasst wurde.<\/p>\n<p><strong>Die Bibel \u2013 ein Buch?<\/strong><br \/>\nBereits dieser knappe, kursorische Einblick in die Zwischenergebnisse des Projekts zeigt: \u00abDie Bibel\u00bb gibt es nur im Plural, nicht nur hinsichtlich der \u00dcbersetzungen, sondern auch in Bezug auf die materiellen Erscheinungsformen. Diese reichen von \u2013 alten und modernen \u2013 gedruckten B\u00fcchern, liturgischen B\u00fcchern wie Evangeliaren und Lektionaren \u00fcber ausgedruckte Zettel, die w\u00e4hrend der Lesung in ein vorhandenes Bibelbuch hineingelegt werden, bis hin zu digitalen Formen wie Apps auf dem Handy oder Tablet. Inwieweit alle diese unterschiedlichen materiellen Erscheinungsformen auf einen erkennbaren \u00abUrtypus\u00bb in Form eines Buchs Bezug nehmen, wird im weiteren Verlauf des Forschungsprojekts untersucht. Daraus resultiert auch die Frage nach dem (zuk\u00fcnftigen) Stellenwert des gedruckten Buchs in unserer Gesellschaft \u2013 und die Frage nach der Bibel(nutzung) in ihrer Vielfalt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fotos: Miriam L\u00f6hr<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt;\"><sup>1\u00a0<\/sup>Der vorliegende Text fokussiert auf das Teilprojekt zum Gottesdienst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt;\"><sup>2\u00a0<\/sup>Vgl. L\u00f6hr, Miriam, \u00abWort des lebendigen Gottes\u00bb. Bibelperformanzen in der r\u00f6misch-katholischen Messe, in: PTh Jg. 115, Heft 4 (2026), Themenheft Bibelperformanzen, 192-204.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wird \u00abBibel\u00bb heute in den unterschiedlichen Konfessionen gebraucht, inszeniert und liturgisch performt? 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