{"id":215,"date":"2022-02-23T09:00:00","date_gmt":"2022-02-23T08:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/?p=215"},"modified":"2024-11-01T10:08:44","modified_gmt":"2024-11-01T09:08:44","slug":"die-kosten-der-analogen-predigt-und-die-gratis-erhaeltliche-online-verkuendigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/2022\/02\/23\/die-kosten-der-analogen-predigt-und-die-gratis-erhaeltliche-online-verkuendigung\/","title":{"rendered":"Die Kosten der (analogen) Predigt"},"content":{"rendered":"\r\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns: 36% auto;\">\r\n<div class=\"wp-block-media-text__content\">\u00a0<\/div>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><span style=\"font-size: 24pt;\"><strong>Predigen online \u2013 Ein Schreibgespr\u00e4ch, Nr. 4<\/strong><\/span><\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><strong>Wie schutzlos ist die Predigt im Netz? Steht sie wirklich so isoliert da wie im Beitrag von David Pl\u00fcss behauptet? Und: Wie hoch- oder niederschwellig sind gottesdienstliche Predigt und digitale Predigt-Formate im Vergleich?<\/strong><\/p>\r\n<p>\r\n\r\n<\/p>\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">Kirsten J\u00e4ger<\/p>\r\n<p><!--more--><\/p>\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color\" style=\"font-size: 17px;\">Ich finde den Gedanken von David Pl\u00fcss h\u00f6chst interessant: Kommt die Predigt unbefangener zu sich selbst, wenn sie durch einen rituellen Rahmen \u2013 ein \u00abrituelles Kleid\u00bb \u2013 gesch\u00fctzt ist? Oder kommt, wie ich behauptet habe, die Verk\u00fcndigung in besonderem Mass zu sich selbst durch Predigten und predigt\u00e4hnliche Beitr\u00e4ge, die sich im Internet exponieren?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">Der Grundsatz, dass die Rahmung entscheidend dazu beitr\u00e4gt, wie viel der Prediger*die Predigerin oder eben die Sprecherin eines (Predigt-)Podcasts wagen kann, leuchtet mir ein. Und wenn ich es mir recht \u00fcberlege bzw. diverse Podcasts und Videos sichte, ist \u00abPredigt\u00bb im Netz vielleicht doch nicht so unbekleidet: Da ist das Label eines Podcasts. Da ist ein Teaser in Text- oder Bildform. Da ist das Intro, der Erkennungsjingle mit einigen einleitenden Worten, der Abschluss (Outro), die immer (ungef\u00e4hr) gleiche L\u00e4nge. Da ist ein Logo, da sind Symbole, wiedererkennbare Orte oder ein Studio mit vertrauter M\u00f6blierung und \u2013 nicht zuletzt \u2013 Personen bzw. Sprecher*innen, die einem beim regelm\u00e4ssigen H\u00f6ren immer famili\u00e4rer werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">Die Online-Beitr\u00e4ge kommunizieren im Vergleich zur \u2019Kanzelrede\u2019 zwar direkter (Blick in die Kamera!), schneller und, trotz des Mediums, unmittelbarer. Doch auch sie stehen nicht v\u00f6llig frei in der Landschaft, sondern in einem Kontext, der durch die genannten Mittel \u2013 Text, Bild, Musik \u2026 \u2013 sichtbar gemacht wird. Das ist sinnvoll, weil im Internet laufend Beitr\u00e4ge aus dem Kontext gerissen und in einen neuen gestellt werden; sie werden zerst\u00fcckelt und manchmal auf unangenehme Weise neu zusammengesetzt. Dieses Risiko geh\u00f6rt zwar zum \u2019Spiel\u2019, aber durch Charakteristiken wie Studio, Logo, Hintergrundbild, Kameraf\u00fchrung usw. (vgl. z. B. SRF Wort zum Sonntag) l\u00e4sst sich der urspr\u00fcngliche Kontext zumindest leichter rekonstruieren.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">Ein bisschen freier in der Landschaft stehen die digitalen Beitr\u00e4ge aber schon, wenn man sie mit der klassischen Predigt vergleicht. Gottesdienstliche Predigt ist relativ \u2019hochschwellig\u2019. Die die Predigt umgebende Liturgie, der Gottesdienst insgesamt, die Kirchenmauern, in welchen er sich abspielt: dies alles kann nicht nur als Schutz, sondern auch als Bollwerk empfunden werden. Um \u00fcberhaupt an die Predigt heranzukommen, muss man einige Voraussetzungen erf\u00fcllen: Man muss Orgelmusik m\u00f6gen, sich im Kirchenraum wohlf\u00fchlen, Kirchenlieder (mit ihren mitunter sonderbaren Texten und Melodien) mitsingen k\u00f6nnen oder sie wenigstens gerne h\u00f6ren. Man muss etwas mit liturgischen Formeln, gottesdiensttypischen Formulierungen und eventuell auch mit biblischen Texten anfangen k\u00f6nnen. Die Predigt, die hier stattfindet, ist als innerkirchliche oder zumindest innerchristliche Selbstverst\u00e4ndigung konzipiert. Als Selbstvergewisserung f\u00fcr diejenigen, die schon viel mitbringen an Einverst\u00e4ndnis und einer bestimmten Auffassung von Glauben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">Nat\u00fcrlich ist das legitim. Aber was hat diese Art der Predigt gemein mit z. B. den Reden der biblischen Propheten oder mit der Bergpredigt Jesu? Ganz gleich, ob letztere nun auf einem Berg oder auf freiem Feld (und ob sie historisch \u00fcberhaupt in der \u00fcberlieferten Gestalt) gehalten wurde: Sind ihr die digitalen Beitr\u00e4ge nicht \u00e4hnlicher als die analoge Form der Predigt?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">Predigt als Gattung verlangt wom\u00f6glich den beschriebenen, f\u00fcr Aussenstehende hochschwelligen Rahmen, um ihre gattungsspezifischen Qualit\u00e4ten entfalten zu k\u00f6nnen: auch die von David Pl\u00fcss angesprochene Freiheit. Verk\u00fcndigung, online wie offline, darf und sollte jedoch vielgestaltiger sein und die unterschiedlichsten Zielgruppen ansprechen. Ich bin immer noch der Meinung, dass die online Verk\u00fcndigung hier einen Vorteil hat. Innerhalb eines Formats sollte sie freilich schon auf ein definiertes Zielpublikum ausgerichtet sein. Sie kann sich aber sehr unterschiedlicher Formate bedienen. Und sie ist \u2013 idealerweise \u2013 frei verf\u00fcgbar, gratis zug\u00e4nglich. Gratis (\u00abgratiis\u00bb) heisst in diesem Fall: ohne dass der H\u00f6rer*die H\u00f6rerin vorg\u00e4ngig irgendeine Meinung teilen muss oder irgendeine Zugeh\u00f6rigkeit mitbringen muss. Was naturgem\u00e4ss vorhanden sein muss, ist ein Interesse an bestimmten Themen und Inhalten und: Offenheit. Das gen\u00fcgt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">Diese Niederschwelligkeit und (ebenfalls) Offenheit der Verk\u00fcndigung scheint mir die Voraussetzung daf\u00fcr zu sein, dass Verk\u00fcndigung gelingen, die Botschaft \u00ablebensdienlich\u00bb werden kann, wie Lucie Panzer sagt.<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> So verstandene Verk\u00fcndigung ist ein Dialog auf Augenh\u00f6he,<a id=\"_ftnref2\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> in dem das H\u00f6ren, Lernen, Sich-ber\u00fchren-lassen eine ebenso grosse Rolle spielt wie das Mitteilen von Worten, die \u2013 m\u00f6glicherweise! \u2013 ber\u00fchren, bewegen, \u00fcberzeugen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">K\u00f6nnte die gottesdienstliche Predigt diesbez\u00fcglich von den Online-Formen der Verk\u00fcndigung lernen?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">Anspruchsvoll ist die geforderte Niederschwelligkeit f\u00fcr beide. Doch Predigt im Gottesdienst hat es, wie mir scheint, aus den oben genannten Gr\u00fcnden schwerer. Wie David Pl\u00fcss sagt: Das Prinzip lautet zwar: \u00abf\u00fcr alle V\u00f6lker\u00bb, aber faktisch ist die Zielgruppe der Kanzel-Predigt recht klein. Liessen sich da nicht ein paar Schwellen abbauen, die heute gar nicht mehr n\u00f6tig w\u00e4ren? K\u00f6nnte die Offenheit vieler Prediger*innen, die in den Gemeinden t\u00e4tig sind, nicht sehr viel mehr Menschen ansprechen als das bisher der Fall war? Hier k\u00f6nnte die \u2013 zweifellos belastende \u2013 gegenw\u00e4rtige Situation, die ein vermehrtes Nutzen der Online-Kan\u00e4le <em>verlangt<\/em> (zu Pandemie-Zeiten), aber auch dazu <em>ermutigt<\/em> (\u00fcber die Pandemie-Zeit hinaus), eine spannende und verheissungsvolle Bewegung angestossen haben.<\/p>\r\n\r\n\r\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Lucie Panzer, Erfahrungsnah und lebensdienlich. Religi\u00f6se Rede im Kontext des Rundfunks, in: PrTh 52(2017), H. 1, S. 14\u201319, 19.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><a id=\"_ftn2\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Vgl. Angela Rinn, Das Fragment kultivieren. Interdisziplin\u00e4re Anregungen f\u00fcr eine Homiletik der Kurzen Form, in: PrTh 52(2017), H. 1, S. 20\u201324, 23.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns: 15% auto;\">\r\n<figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"797\" height=\"1024\" class=\"wp-image-186 size-full\" src=\"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Download-4-797x1024.jpeg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Download-4-797x1024.jpeg 797w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Download-4-233x300.jpeg 233w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Download-4-768x987.jpeg 768w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Download-4-1195x1536.jpeg 1195w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Download-4-210x270.jpeg 210w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Download-4.jpeg 1397w\" sizes=\"auto, (max-width: 797px) 100vw, 797px\" \/><\/figure>\r\n<div class=\"wp-block-media-text__content\">\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-small-font-size wp-block-paragraph\">Kirsten J\u00e4ger arbeitet als Medienberaterin (Schwerpunkt Film) bei Relimedia in Z\u00fcrich und forscht in der Praktischen Theologie (Kompetenzzentrum Liturgik, Bern) zu Themen der digitalen Religion\/online Verk\u00fcndigung.<\/p>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Predigen online \u2013 Ein Schreibgespr\u00e4ch, Nr. 4 Wie schutzlos ist die Predigt im Netz? Steht sie wirklich so isoliert da wie im Beitrag von David Pl\u00fcss behauptet? Und: Wie hoch- oder niederschwellig sind gottesdienstliche Predigt und digitale Predigt-Formate im Vergleich? Kirsten J\u00e4ger<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"ppma_author":[289],"class_list":["post-215","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gottesdienst-digital"],"acf":[],"authors":[{"term_id":289,"user_id":8,"is_guest":0,"slug":"jaeger","display_name":"Kirsten J\u00e4ger","avatar_url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/2461be51b6d8e0ea00e00cd0e10cca3a5dbea13699cad2a560b3419f26bfacbc?s=96&d=blank&r=g","author_category":"","first_name":"Kirsten","last_name":"J\u00e4ger","user_url":"","job_title":"","description":""}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/215","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=215"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/215\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1562,"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/215\/revisions\/1562"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=215"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=215"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=215"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/ppma_author?post=215"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}