{"id":434,"date":"2022-04-27T09:00:00","date_gmt":"2022-04-27T07:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/?p=434"},"modified":"2024-11-01T09:59:06","modified_gmt":"2024-11-01T08:59:06","slug":"die-unverfuegbarkeit-der-praesenz-gottes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/2022\/04\/27\/die-unverfuegbarkeit-der-praesenz-gottes\/","title":{"rendered":"Die Unverf\u00fcgbarkeit der Pr\u00e4senz Gottes"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><strong><span style=\"font-size: 24pt;\">Gott im Gottesdienst, Nr. 3<\/span><\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><strong>Gottes Pr\u00e4senz im Gottesdienst ist f\u00fcr uns unverf\u00fcgbar. Gerade deshalb k\u00f6nnen wir mit ihr rechnen und sie erfahren.<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">Miriam L\u00f6hr<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p><!--more--><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">Matthias Zeindler schreibt in seinem Beitrag zur \u00abErwartung Gottes\u00bb als zentralem Kriterium des Gottesdienstes: \u00abDer Gebrauch des Wortes `Gott\u00b4 signalisiert im Gottesdienst, dass man mit der Pr\u00e4senz derjenigen, die damit bezeichnet wird, rechnet. Zur reformierten Tradition geh\u00f6rt dabei, dass die Pr\u00e4senz Gottes nicht einfach vorausgesetzt wird. Und dass sie erst recht nicht herstellbar ist. Gott ist frei, um ihre Gegenwart k\u00f6nnen wir lediglich bitten, wir k\u00f6nnen sie erhoffen und auf sie warten. Aber auch wenn es im Modus der Erwartung und des Hoffens ist, im Gottesdienst wird mit Gott gerechnet. Und damit sind wir beim massgeblichen Kriterium f\u00fcr einen Gottesdienst: Ein Anlass wird dann und nur dann zum Gottesdienst, wenn in ihm die Pr\u00e4senz Gottes erwartet wird.\u00bb Ich stimme dem zu und nehme zwei gedankliche Linien auf, die Matthias aufeinander bezieht: Die Pr\u00e4senz Gottes einerseits und ihre Unverf\u00fcgbarkeit andererseits. Dieser Zusammenhang erscheint zun\u00e4chst vielleicht widerspr\u00fcchlich, erweist sich beim zweiten Hinsehen jedoch als plausibel. Ich skizziere ein paar \u00dcberlegungen dazu:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">Die Pr\u00e4senz Gottes \u2013 im Gottesdienst oder anderswo \u2013 erscheint mir wie ein kostbares Geschenk. Wir k\u00f6nnen \u00fcber sie nicht verf\u00fcgen, sie nicht kaufen, nicht irgendwo bestellen, haben auch keinen Anspruch darauf. Niemand kann das. Das Eintreffen der Pr\u00e4senz Gottes steht nicht in unserer Macht, h\u00e4ngt nicht an der Macht von Amtstr\u00e4ger*innen. Aber vielleicht sind Pfarrer*innen und andere \u00abKirchenleute\u00bb besonders damit betraut, mit der Pr\u00e4senz Gottes zu rechnen und sie zu erhoffen? Mir erscheint, das erwarten sogar jene, die mit Gott gar nichts zu tun haben wollen: Wenn nicht ich, soll aber die Pfarrerin doch mit Gott rechnen und auf ihn hoffen!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">Wir haben uns in den beiden vorherigen Blog-Beitr\u00e4gen zu \u00abGott im Gottesdienst\u00bb Gedanken \u00fcber die Pr\u00e4senz Gottes speziell im Gottesdienst gemacht. In dem Sinne ist Gottesdienst Gottes-Dienst \u2013 Menschen suchen an einem besonderen Ort zu einer besonderen Zeit Gottes Gegenwart, um zu danken, zu klagen, zu hoffen und zu bitten. Das heisst aber nicht, dass der menschliche Dienst in einem Kirchbau am Sonntagmorgen Gottes Anwesenheit in spezieller Weise garantieren k\u00f6nnte. Gottes Pr\u00e4senz bleibt f\u00fcr uns unverf\u00fcgbar, und ist zugleich als Zusage verl\u00e4sslich: wo zwei oder drei\u2026 Gottes Pr\u00e4senz ist nicht abh\u00e4ngig von unserem Tun und weht da, wo sie will, manchmal auch \u00fcberraschend ganz woanders.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">Der Gottes-Dienst hat einen dialogischen Grundcharakter: Als kollektive, bei aller gestalterischen Freiheit immer auch \u00abgewordene\u00bb Form steht die Anrede Gottes in einer Tradition \u00fcber Zeiten und Ortsgrenzen hinweg. Das Hoffen auf und Bitten um Gottes Pr\u00e4senz sind nicht der erste Schritt einer Kontaktaufnahme, sondern reihen sich ein in die vielen unterschiedlichen liturgischen Formen des Festhaltens an der Pr\u00e4senz Gottes durch die Zeiten hindurch. Die Leerstelle der Unverf\u00fcgbarkeit mag unbequem und ungewohnt sein, aber wird sie ausgehalten, kann sie Entlastung schaffen: Vom Druck des perfekten Gottesdienstes, der religi\u00f6se Erfahrung garantieren will; vom Druck des religi\u00f6sen Erlebens als eigener Leistung. Die prinzipielle Unverf\u00fcgbarkeit der Pr\u00e4senz Gottes bedeutet nicht, in der Not alleingelassen zu werden, sondern mit der Anwesenheit des Gegen\u00fcbers rechnen und an ihr festhalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">Fulbert Steffensky schreibt \u00fcber das Beten,<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> dass es \u00dcbung brauche und auch dann einge\u00fcbt und vollzogen werden m\u00fcsse, wenn man mit dem Herzen nicht ganz dabei sei und es vielleicht eher m\u00fchsam oder l\u00e4stig finde. Seinen Sinn hat es nicht in einer religi\u00f6sen Extase, die ich erleben kann, wann ich es m\u00f6chte. Seinen Sinn hat es darin, im Ernstfall vorbereitet zu sein. In der Not ad hoc beten, wenn man es nicht irgendwann zuvor erlernt und als Haltung einge\u00fcbt hat, f\u00e4llt schwer. Ich glaube, es ist nicht vermessen, diese ritualtheoretische Grunderkenntnis auch auf die Unverf\u00fcgbarkeit der Pr\u00e4senz Gottes im Gottesdienst \u2013 also unserem kollektiven und in aller Freiheit gebundenen Beten \u2013 zu beziehen: Wenn wir nur Gottesdienst feierten, wenn Gott auf jeden Fall und in der Weise, wie wir es uns w\u00fcnschen, sp\u00fcrbar w\u00e4re, w\u00fcrden wir seine Pr\u00e4senz wahrscheinlich gar nicht bemerken, weil die Ein\u00fcbung der Unverf\u00fcgbarkeit fehlte. So gesehen ist die Unverf\u00fcgbarkeit der Pr\u00e4senz Gottes die Voraussetzung daf\u00fcr, sie erleben zu k\u00f6nnen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\">Matthias` Ausf\u00fchrungen aus dem vorherigen Blog-Beitrag halten an dieser Dialektik fest: Es ist angemessen, auf der Pr\u00e4senz Gottes im Gottesdienst zu beharren, und gleichzeitig zu wissen, dass wir sie nicht herstellen k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen beim bestvorbereitesten Gottesdienst nicht garantieren, dass Gott sp\u00fcrbar zur T\u00fcre hereingeweht kommt. Aber das gemeinsame Beharren, Hoffen und Warten sind schon gute Gr\u00fcnde, einen Gottesdienst aufzusuchen. Gerade in diesen Zeiten ist es notwendig zusammenzukommen, auf die Pr\u00e4senz Gottes zu hoffen und um Frieden zu beten \u00fcber diejenigen hinaus, die unmittelbar davon \u00fcberzeugt sind.<\/p>\r\n\r\n\r\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Vgl. Steffensky, Fulbert (2001): Gebet: Die Flucht in den Blick der G\u00fcte, Zeitschrift f\u00fcr Dialektische Theologie 17, 25-36, bes. 35f.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-white-color has-text-color wp-block-paragraph\">&#8211;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns: 15% auto;\">\r\n<figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"681\" class=\"wp-image-357 size-full\" src=\"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Bildschirmfoto-2022-03-23-um-15.35.07-1024x681.png\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Bildschirmfoto-2022-03-23-um-15.35.07-1024x681.png 1024w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Bildschirmfoto-2022-03-23-um-15.35.07-300x200.png 300w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Bildschirmfoto-2022-03-23-um-15.35.07-768x511.png 768w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Bildschirmfoto-2022-03-23-um-15.35.07-1536x1022.png 1536w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Bildschirmfoto-2022-03-23-um-15.35.07-406x270.png 406w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Bildschirmfoto-2022-03-23-um-15.35.07.png 1746w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\r\n<div class=\"wp-block-media-text__content\">\r\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-small-font-size wp-block-paragraph\">Miriam L\u00f6hr ist Postdoc am Institut f\u00fcr Praktische Theologie an der Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Bern.<\/p>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gott im Gottesdienst, Nr. 3 Gottes Pr\u00e4senz im Gottesdienst ist f\u00fcr uns unverf\u00fcgbar. 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