{"id":853,"date":"2023-03-24T15:34:30","date_gmt":"2023-03-24T14:34:30","guid":{"rendered":"http:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/?p=853"},"modified":"2023-03-25T13:39:45","modified_gmt":"2023-03-25T12:39:45","slug":"gottesdienst-spielzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/2023\/03\/24\/gottesdienst-spielzeit\/","title":{"rendered":"Gottesdienst-Spielzeit"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-justify has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><strong>Vielf\u00e4ltige Gottesdienstformate anbieten, die verschiedene Zielgruppen ansprechen? Manch eine Gemeinde w\u00fcnscht sich dies. Der limitierende Faktor ist schnell einmal das knappe Zeitbudget derjenigen, die die Gottesdienste gestalten<\/strong>. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><strong><em>Katrin Kusmierz<\/em> wurde auf das Beispiel einer Gemeinde aufmerksam, die dieses Dilemma zu l\u00f6sen versucht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color wp-block-paragraph\">&#8211; <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"has-black-color has-text-color has-medium-font-size wp-block-heading\">Das Gottesdienstangebot neu strukturieren<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">Das berechtigte Anliegen, in regelm\u00e4ssigem Rhythmus, also jeden Sonntag morgen zur selben Zeit ein gewohntes Grundangebot aufrecht zu erhalten, an dem man, ohne viel zu \u00fcberlegen, teilnehmen kann, hat zur Folge, dass wenig Spielraum bleibt f\u00fcr zus\u00e4tzliche, neue Gottesdienstfeiern. Wie jedoch Innovativkraft entwickeln und gleichzeitig das Gewohnte und Bew\u00e4hrte nicht vernachl\u00e4ssigen? <\/mark><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">Die Auferstehungskirchgemeinde Hamburg-Lohbr\u00fcgge durchbricht g\u00e4ngige Muster und versucht, das Gottesdienstangebot g\u00e4nzlich neu zu strukturieren. Dies analog zu einem Schauspielhaus, das gleichzeitig Theater, Oper und Ballett im Programm f\u00fchrt. Pro \u00abSpielzeit\u00bb (ca. drei Monate) werden vier verschiedene Gottesdienste angeboten. <a href=\"https:\/\/kap-kirche.de\/gottesdienste\/programm\">Derzeit<\/a> ein Gospel-Gottesdienst (\u00abAmazing Grace\u00bb), ein traditioneller Gottesdienst mit Musik von Johann Sebastian Bach (\u00abDer f\u00fcnfte Evangelist?\u00bb), \u00abBibel und Bier: Tasting\u00bb und ein Gottesdienst mit dem Titel \u00abK\u00fcnstlerische Freiheit\u00bb, in dem die Teilnehmenden sich k\u00fcnstlerisch-kreativ mit einem Thema auseinandersetzen und in dem Laien predigen. Jeder Gottesdienst wird drei- bis viermal wiederholt, die Daten werden im Voraus auf einem Flyer und im Internet kommuniziert. Wie im Theater schauen die Gottesdienstbesucher:innen, wann welcher Gottesdienst stattfindet und w\u00e4hlen das Datum, an dem sie teilnehmen k\u00f6nnen. Ausschlaggebend f\u00fcr diesen Versuch war \u2013 so wird es im <a href=\"https:\/\/kap-kirche.de\/unser-neues-gottesdienst-konzept\">Gottesdienstkonzept<\/a> geschildert \u2013 die Feststellung, dass immer weniger Menschen jeden Sonntag an einem Gottesdienst teilnehmen. \u00abTats\u00e4chlich besuchen immer mehr &#8230; Menschen <em>immer mal wieder <\/em>einen Gottesdienst. Das versuchen wir mit unserem neuen Konzept aufzugreifen.\u00bb Und weiter: \u00abUnsere Hoffnung ist, dass wir dadurch insgesamt mehr Menschen einen guten Grund (einen Anlass) zu einem Gottesdienstbesuch schenken.\u00bb Sich selbst g\u00f6nnen sie mit gutem Grund mehr Zeit f\u00fcr die Vorbereitung.<\/mark><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-black-color has-text-color has-medium-font-size wp-block-heading\">Ver\u00e4ndertes Teilnahmeverhalten<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">Das Angebot versucht also, auf ein ver\u00e4ndertes Teilnahmeverhalten zu reagieren: Die M\u00f6glichkeit des regelm\u00e4ssigen Gottesdienstbesuches (\u00abjeden Sonntag, zur selben Zeit\u00bb) nehmen nur wenige in Anspruch. Gottesdienstfeiernde ben\u00f6tigen zunehmend einen Anreiz, oder Anlass, um tats\u00e4chlich den Weg in die Kirche zu finden. Dazu reicht das \u00abGewohnte\u00bb, \u00abWiederholbare\u00bb nur f\u00fcr einen Teil der potenziellen Gemeinde aus, selbst f\u00fcr jene, die durchaus gerne in den Gottesdienst gehen w\u00fcrden, aber in einem durchstrukturierten Alltag kaum Raum daf\u00fcr finden.<\/mark><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-black-color has-text-color has-medium-font-size wp-block-heading\">Quantit\u00e4t und Qualit\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">Schon l\u00e4nger ist in der Liturgik von einer \u00abEventisierung\u00bb oder \u00abKasualisierung\u00bb von Gottesdiensten die Rede. Jeder Gottesdienst muss etwas Besonderes \u00abbieten\u00bb. Dies kann durchaus problematisiert werden, allein schon aus praktischen Gr\u00fcnden, da jeder besondere Gottesdienst mit einem Mehraufwand verbunden ist, der nur bedingt leistbar ist. Mit der Eventisierung steigt auch der Anspruchsgrad an Wortarbeiter:innen und Musiker:innen, an Technik und Raumgestaltung.<\/mark><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">Auch die hohe Kadenz an immer wieder neu gestalteten Gottesdiensten im \u00abnormalen\u00bb Wochenrhythmus fordert jedoch ihren Tribut: sie zwingt die Predigenden \u2013 sodenn sie nicht in einem grossen Teampfarramt arbeiten \u2013 zu schneller Textproduktion und erschwert eine sorgf\u00e4ltige vorausschauende Planung gemeinsam mit den Musizierenden. Das geschilderte Modell von \u00abGottesdienst-Spielzeiten\u00bb macht es notwendig, langfristig zu planen. Die mehrmalige Wiederholung desselben Gottesdienstes bietet zumindest die M\u00f6glichkeit, an Liturgie und Predigt weiter zu feilen und sie zu verbessern. Die Sprechsituation vor \u00abPublikum\u00bb gibt den Predigenden unmittelbar R\u00fcckmeldung. Im Sprechen erst erweist sich die Wortwahl als ad\u00e4quat, die Satzl\u00e4nge als sprechbar. Auch die Perfomance kann durch die wiederholte Auff\u00fchrung reifen.<\/mark><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-black-color has-text-color has-medium-font-size wp-block-heading\">Vielfalt und Regelm\u00e4ssigkeit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">Die <a href=\"https:\/\/www.juhopma.de\/unser-neues-gottesdienstkonzept-auswertung-1\/\">Selbstevaluation<\/a> durch den Pastor der Gemeinde Hamburg-Lohbr\u00fcgge nach der ersten Spielzeit ergab, dass tats\u00e4chlich etwas mehr und andere Menschen kommen. Die Gemeinde wurde damit ein St\u00fcck vielf\u00e4ltiger, zumindest in der Anfangszeit, in der auch die Neugier auf das neue Konzept eine Rolle gespielt haben d\u00fcrfte. Die pr\u00e4sente Gemeinde wird erg\u00e4nzt durch eine digitale Gemeinde, denn die verschiedenen Gottesdienstangebote werden mindestens einmal live gestreamt.<\/mark><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">Das Modell verbindet den Wunsch nach vielf\u00e4ltigen Gottesdiensten mit dem Anliegen der Regelm\u00e4ssigkeit bzw. mit dem Anliegen, den gottesdienstlichen Wochenrhythmus beizubehalten und zu pflegen<em>.<\/em> Durch die mehrfache Wiederholung des gleichen Gottesdienstes schert die Gemeinde allerdings aus dem sonst f\u00fcr die Nordkirche weitestgehend \u00fcblichen Gebrauch der Perikopenordnung aus. Die Gottesdienste sind an einem Thema orientiert. Neben den Gottesdiensten der aktuellen \u00abSpielzeit\u00bb finden auch f\u00fcr sich stehende Gottesdienste statt \u2013 beispielsweise an hohen Feiertagen.<\/mark><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-black-color has-text-color has-medium-font-size wp-block-heading\">Erprobungsspielraum<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">Was \u00e4ndert sich mit diesem Konzept? Die vertraute Regelm\u00e4ssigkeit des einen Gottesdienstes am Sonntagmorgen, zur selben Zeit, in der vertrauen Form, f\u00e4llt weg. Wie wirkt sich dies auf das Bild und das Selbstverst\u00e4ndnis von Kirche aus? \u00abJede Woche anders\u00bb bedingt auch, dass ich mich als Teilnehmende aktiv informiere und Termine ausw\u00e4hle. <em>De facto<\/em> wird dies wohl zumindest dem Teilnahmeverhalten eines Teils der Gottesdienstfeiernden auch heute schon entsprechen. Eventuell wird jedoch das Gottesdienstangebot von aussen betrachtet schwieriger lesbar. Und kommen auch noch zur dritten Wiederholung gen\u00fcgend Mitfeiernde?<\/mark><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">Das Modell passt sicherlich nicht zu jeder Gemeinde, wohl am ehesten zu einer in sich pluralen Gemeinde mit einer gewissen Gr\u00f6sse und Anzahl an Mitarbeitenden bzw. Freiwilligen. Wird sich der Anteil beteiligter Freiwilliger am Gottesdienst erh\u00f6hen? \u00a0Und welche Rolle kommt der Pfarrperson zu? Von den Mitarbeitenden verlangt es auf jeden Fall eine grosse liturgisch-stilistische Mehrsprachigkeit.<\/mark><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">Ungewohnt und neu ist sicherlich die Praxis, den gleichen Gottesdienst in der gleichen Gemeinde mehrmals zu feiern. K\u00f6nnten Pfarrpersonen sich von dem internalisierten Anspruch l\u00f6sen, jedes Mal einen neuen, in gewisser Weise einzigartigen und einmaligen Gottesdienst zu gestalten, der f\u00fcr diesen Moment entworfen wird und in diesem Moment erst entsteht? Besteht diesbez\u00fcglich ein grunds\u00e4tzlicher Unterschied zwischen einem Gottesdienst und einem Theaterst\u00fcck oder gerade nicht?<\/mark><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14px, 0.875rem + ((1vw - 3.2px) * 0.341), 17px);\"><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">Das Konzept wagt einen ungew\u00f6hnlichen Versuch, der interessante Fragen provoziert. Wie es sich bew\u00e4hren wird? <em>Time will tell. <\/em>\u00a0<\/mark><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:22% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"789\" src=\"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-569 size-full\" srcset=\"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/image.png 1024w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/image-300x231.png 300w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/image-768x592.png 768w, https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/image-350x270.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-small-font-size wp-block-paragraph\">Dr. Katrin Kusmierz ist Dozentin und Wiss. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Kompetenzzentrum Liturgik an der Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Bern.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielf\u00e4ltige Gottesdienstformate anbieten, die verschiedene Zielgruppen ansprechen? Manch eine Gemeinde w\u00fcnscht sich dies. Der limitierende Faktor ist schnell einmal das knappe Zeitbudget derjenigen, die die Gottesdienste gestalten. 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