{"id":988,"date":"2023-10-10T22:23:15","date_gmt":"2023-10-10T20:23:15","guid":{"rendered":"http:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/?p=988"},"modified":"2026-05-23T22:53:31","modified_gmt":"2026-05-23T20:53:31","slug":"to-pray-or-not-to-pray-thats-the-question","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liturgikblog.unibe.ch\/index.php\/2023\/10\/10\/to-pray-or-not-to-pray-thats-the-question\/","title":{"rendered":"To Pray or Not To Pray? That\u2019s the Question"},"content":{"rendered":"<p><strong>In der Planung Theologischer Konferenzen, Workshops und Events stellt sich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die Frage, ob Zeiten f\u00fcr einen gemeinsamen Gottesdienst und Gebet eingeplant werden sollen oder ob dies den professionellen und akademischen Status kompromittieren k\u00f6nnte. Im Folgenden sollen ein paar Aspekte dieser komplexen Fragestellung anhand eines Beispiels der Utrechter Summer School zum Thema \u201eAnglicanism in Europe\u201c beleuchtet werden.<\/strong><\/p>\r\n<p>Edda Wolff<\/p>\r\n<!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:more -->\r\n<p><!--more--><\/p>\r\n<p>Im Juli 2023 wurde zum ersten Mal eine Summer School der Anglikanischen Kirchen in Europa an der Universit\u00e4t Utrecht abgehalten. Die Idee einer solch intensiven Studienwoche wurde vom Erfolg der Altkatholischen Summer School inspiriert, die j\u00e4hrlich mehr internationale Teilnehmende in die Niederlande zieht.<\/p>\r\n<p>Die Idee der Anglikanischen Summer School war es eine m\u00f6glichst breitgef\u00e4cherte Einf\u00fchrung in Anglikanische Theologe und Geschichte in Europa zu geben und damit eine Vielzahl unterschiedlicher Teilnehmender anzusprechen. Die Studierenden waren zum Teil langj\u00e4hrige Gemeindemitglieder Anglikanischer Gemeinden in Europa, teilweise kamen sie aus Neugier (z.B. inspiriert von der Teilnahme an der Altkatholischen Summer School). Manche von Ihnen befanden sich auf verschieden Stufen des Anglikanischen Ordinationsprozesses oder waren ordiniere Gemeindeleiter unterschiedlicher anglikanischer Kirchen, manche hatten zuvor kaum Kontakt mit Anglikanischer Liturgie oder Theologie gehabt.<\/p>\r\n<p>Ein paar Tage vor Beginn des Kurses fragte der Bischof der Convocation of Episcopal Churches in Europe, The Right Rev. Mark Edington, mich an, ob ich die Planung und Organisation der t\u00e4glichen Gottesdienste f\u00fcr den Kurs \u00fcbernehmen k\u00f6nne. In diesem Betrag m\u00f6chte ich auf den Planungsprozess reflektieren und einige der theologischen und didaktischen Aspekte darstellen.<\/p>\r\n<p>Die t\u00e4glichen gemeinsamen Gottesdienste sollten f\u00fcr den Kurs unterschiedliche Funktionen erf\u00fcllen. Einerseits sollen sie eine Abwechslung und Auflockerung im sehr dichten Kursprogram bieten. Anderseits sollten sie auch einen Einblick in unterschiedliche Liturgietraditionen der Anglikanischen Gemeinschaft bieten. Nicht zuletzt sollten sie auch die Diskussion zwischen dem Teilnehmen anregen und ihnen die M\u00f6glichkeit geben, auf ihre eigene Tradition zu reflektieren und sich aktive am Kursgeschehen zu beteiligen.<\/p>\r\n<p>Hierzu habe ich gem\u00e4\u00df den Vorgaben des Planungsteams eine Reihe von Gottesdiensten zusammengestellt, die sowohl historisch als auch geografisch einen Einblick in die Diversit\u00e4t der Anglikanischen Kirche bieten sollten.<\/p>\r\n<p>Als Er\u00f6ffnungsgottesdienst wurde eine Eucharistiefeier in der Tradition der Amerikanischen Episkopalkirche gefeiert (Book of Common Prayer, 1979). Da viele der Teilnehmenden (und der Lehrenden) zu Gemeinden der Episkopalkirche geh\u00f6ren, sollte dies einen zug\u00e4nglichen und bekannten Einstieg in die Liturgie erm\u00f6glichen.<\/p>\r\n<p>Der moderne und partizipative Gottesdienst wurde kontrastiert mit einer Eucharistiefeier auf der Grundlage des 1764 Schottisch Episkopalen Gebetsbuchs (Wee Books). Der Klerus-zentrierte und bu\u00dffertige Gottesdienst zeigte einen anderen theologischen und liturgischen Schwerpunkt, den viele Teilnehmende so nicht aus ihrer Gottesdiensterfahrung kannten.<\/p>\r\n<p>Am n\u00e4chsten Tag wurde ein Evensong auf der Grundlage des 1662 Book of Common Prayer aus der Tradition der Church of England gefeiert. Wie auch der Gottesdienst des Vortages war diese vielen der internationalen der Teilnehmende sprachlich schwer zug\u00e4nglich.<\/p>\r\n<p>Am Mittwoch feiert die Gruppe einen Eucharistiegottesdienst in der Tradition der Anglikanischen Kirche in Kenia. Diese stellt ein Beispiel f\u00fcr die \u00dcberarbeitung und Kontextualisierung Anglikanischer Liturgie durch eine nicht-Europ\u00e4ische Teilkirche dar.<\/p>\r\n<p>Den Abschluss am letzten Tag des Kurses bildete ein Abendgebet auf der Grundlage des neuseel\u00e4ndischen Gebetsbuches (Newsealand Prayer Book 1988) dar. Dieses Buch hat gro\u00dfen Anklang in der weiteren Anglikanischen Gemeinschaft gefunden und mit seiner sch\u00f6pfungstheologischen Ausrichtung andere Liturgiereformen inspiriert.<\/p>\r\n<p>Teilnehmende wurden dazu angehalten die Gottesdienste als Lektoren, Ministranten oder durch die \u00dcbernahme von F\u00fcrbitten oder auch \u2013 f\u00fcr ordinierte Teilnehmende \u2013 als Zelebranten mitzugestalten. Im Anschluss an die jeweiligen Gottesdienste hielt Bischof Mark Edington die Teilnehmenden dazu an auf ihre Erfahrungen mit der Liturgie zu reflektieren und diese mit der Gruppe zu teilen.<\/p>\r\n<p>Der Prozess der Planung dieser Liturgien hat mich dazu angeregt auf die didaktische und theologische Bedeutung der gemeinsamen Gottesdienstfeier im Kontext akademisch-theologischer Veranstaltungen zu reflektieren. Die Aufgabe, liturgische Feiern aus sehr unterschiedlichen historischen Kontexten zusammenzustellen, lie\u00df mich die Frage stellen, was es bedeutet Liturgie authentisch auch jenseits der eigenen Tradition zu feiern.<\/p>\r\n<p>Die Gottesdienste der Summer School haben insgesamt von den Teilnehmenden ein sehr positives Feedback bekommen. Oftmals wurde dabei vor allem die die M\u00f6glichkeit betont, andere kirchliche Kontext \u201eerfahrbar\u201c zu machen. Gelerntes aus den Lektionen zur geschichtlichen Entwicklung der Anglikanischen Kirche und ihrer Liturgie konnte dabei auf eine vertiefte und ganzheitliche Weise erlebt werde. Dar\u00fcber hinaus sch\u00e4tzten die Teilnehmenden, die Chance auf ihre eigenen liturgischen Kontexte in der Gruppe zu reflektieren und sich vertieft und kritisch mit diesen auseinander zu setzen.<\/p>\r\n<p>Gleichzeitig darf, meiner Meinung nach, die Feier des Gottesdienstes auch nicht einfach zu einer erg\u00e4nzenden \u201eLehrmethode\u201c reduziert werden. Die Liturgie wird ja nicht blo\u00df analysiert oder \u201evorgef\u00fchrt\u201c, sondern gemeinsam gefeiert und gebetet.<\/p>\r\n<p>Wenn wir mit Prosper von Aquitanien annehmen, dass Liturgie Kirche bildet, dann kann es keine distanzierte unbeteiligte \u201eAuff\u00fchrung\u201c des Gottesdiensts geben. Vielmehr bringt dieser die Teilnehmenden immer schon, unabh\u00e4ngig vom Level ihrer \u201eaktiven\u201c Teilnahme, auf einer neuen und transformieren Weise zusammen. Wenn eine Gruppe nicht nur gemeinsam lernt, sondern dar\u00fcber hinaus gemeinsam Gottesdienst feiert, wird nicht nur die m\u00f6gliche Erfahrung des Einzelnen, sondern das Verh\u00e4ltnis der Teilnehmenden untereinander auf eine neue Ebene hin ge\u00f6ffnet.<\/p>\r\n<p>F\u00fcr den Kontext Theologischer Konferenzen, Workshops und Events stellt sich daher die Frage, wie die Feier gemeinsamer Gebetszeiten sich zu unserem Verst\u00e4ndnis von Theologie verh\u00e4lt. Wie k\u00f6nnen diese authentisch und ganzheitlich eingebunden werden, ohne blosse \u201eAnh\u00e4ngsel\u201c an einen langen Konferenztag zu werden? Wie k\u00f6nnen gemeinsame Feiern unser Kirchen- und Theologieverst\u00e4ndnis widerspiegeln? Wie k\u00f6nnen sie die Erfahrung von theologischer Gemeinschaft bereichern und die akademische Diskussion erg\u00e4nzen und vertiefen? Diese Fragen gilt es sorgf\u00e4ltig abzuw\u00e4gen um das geistliche und kirchenbildende, aber auch das kritische Potential von gemeinsamen Gebeten auszuloten.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>Edda Wolff arbeitet als Post-Doc am Institut f\u00fcr Christkatholische Theologie in Bern und forscht zu zeitgen\u00f6ssischen Liturgieformen<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Planung Theologischer Konferenzen, Workshops und Events stellt sich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die Frage, ob Zeiten f\u00fcr einen gemeinsamen Gottesdienst und Gebet eingeplant werden sollen oder ob dies den professionellen und akademischen Status kompromittieren k\u00f6nnte. 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